28.10.2019

Welchen Beitrag kann die Gruppendynamik leisten, um einige der wesentlichen Fragen in Bezug auf die Umsetzung neuer Organisationsformen aufzulösen?

Mit dieser Frage haben wir uns im Rahmen des alljährlichen Netzwerkpartnertreffens der Beratergruppe Neuwaldegg auseinandergesetzt.
Spannenden theoretischen Input und Einsichten in Bezug auf gruppendynamische Prozesse und Modelle lieferte dazu Matthias Csar. Er ist langjähriger freiberuflicher Trainer, Berater und Mediator. Unter Anderem ist er auch Fachbereichsleiter an der FH Salzburg und Dozent an verschiedenen Instituten der Universität Wien.

Im Rahmen von Transformationsprozessen ist zu beobachten, dass sich immer mehr klassisch, hierarchisch organisierte Aufbauorganisationen hin zu kreisförmig geprägten Ablauforganisationen entwickeln. Ziel dieser Kreisorganisationen sind Kompetenzen und Können zu bündeln, um Kundenbedürfnisse schneller und fokussierter in den Blick zu nehmen und komplexe Fragestellungen lösen zu können.

Mit dieser Veränderung wandelt sich auch der „Team“-Begriff in Organisationen. Teams werden zu Projektgruppen, Gruppen und Kreisen, die zeitlich befristet zusammenkommen und wieder auseinandergehen. Strukturen und Regeln sind jetzt die vorherrschenden Interaktionsmechanismen. Neue kollaborative, agile Arbeitsformen und Selbstorganisation bestimmen die Zusammenarbeit. Das Individuum mit seinem Bedürfnis nach Zugehörigkeit-, Vertrauens- und Einflussnetzwerken findet hier wenig Raum. Genau dort kann Gruppendynamik eine Brücke bauen, indem sie Modelle zur Verfügung stellt, welche Zusammenhänge, Paradoxien zwischen Organisationen, Teams und Individuen aufzeigt.

Durch die Möglichkeit unser Beobachtungsvermögen zu schärfen und zu trainieren können wir als Berater diesen Umstand immer wieder Organisationen zur Verfügung stellen und dabei unterstützen dieses bei Transformationsprozessen nicht aus dem Blick zu verlieren.

Hier gibt es weiter Literatur-Empfehlungen zum Thema:

  • Csar, M. (2018): Organisationen im Umbruch: Zur Aktualität gruppendynamischen Lernens in der Ausbildung von MitarbeiterInnen der Zukunft. In: Tagungsband, FFH Konferenz.
  • Edmondson A. (1999): Psychological safety and learning behavior in work teams. Administrative Science Quarterly, Vol. 44, No. 2.
  • Geramanis O. (2018): Führen in ungewissen Zeiten – Das Prinzip Gruppendynamik. In.: Sulzberger M., Zaugg R.: Management Wissen. Was Leader erfolgreich macht. Wiesbaden: Springer. S.51-63.