15.6.2021

Laut gedacht: Arbeiten „nach“ der Pandemie.

Es gibt viel Augenscheinliches zu tun aber (wie) gehen wir das diffuse „Blah“ an?

Es ist Sommer 2021. Die Corona-Zahlen schauen gut aus. Das Impfen geht voran. Immer mehr Anfragen für „live“ Durchführungen trudeln ein und bleiben nicht nur ermutigende Vorhaben, sondern finden tatsächlich statt. Wir sitzen einander wieder gegenüber und stehen gemeinsam im Seminarraum. Mit Maske zwar und ein bisschen verhalten, aber dennoch. Man traut sich wirklich, wieder laut über das „Nach“ der Pandemie nachzudenken und wie es dann so sein wird in der Arbeitswelt. Wir wollen als Personal- und Organisationsentwickler*innen ja mitgestalten. Wie das so ist beim Nachdenken, wurde von der Idee so etwas wie „10 Tipps für die Post-Corona Arbeitswelt“ zu präsentieren etwas ganz Anderes: ein Aufruf in die Web Community (ja, das sind Sie als Leser*in, falls Sie Lust haben) Ihren sehr geschätzten Senf zu unserer Frage #tacklingBlah? zu geben. Was das ist, erfahren Sie in diesem Blog-Beitrag.

Homeoffice, Online Meetings, Händewaschen. Es ist offensichtlich, viel Corona-Indiziertes wird bleiben.

Praktischerweise sind wir bei hrdiamonds nicht die einzigen Gestalter*innen der Business Welt, die sich Gedanken über die Lektionen der Pandemie machen und wie man sie zum Guten für Mensch und Organisation nutzen kann. So lassen sich bei der Recherche unzählige Beiträge finden, was post Covid zu tun ist. Augenscheinlich ist, dass die Erfahrungen mit remote work und den zugehörigen Online-Tools nachhaltig Spuren hinterlassen haben. Eine mini LinkedIn Umfrage, die wir im Vorfeld des Blog-Beitrags online geschalten haben, bestätigt beispielsweise das Ergebnis einer breiteren Studie, dass Mischformen aus Präsenz und Homeoffice explizit von Mitarbeiter*innen auch in Zukunft nachgefragt werden. Es liegt also auf der Hand Arbeitszeit und -ort entsprechend modern durchzudenken. Organisationen werden sich spätestens jetzt an den Gedanken gewöhnen müssen, dass Vertrauen realistischer ist als Kontrolle. Es ergeben sich neue Rahmenbedingungen für Führung. Das viele „Online“ verändert Kommunikation und Miteinander.

Ein anderer offensichtlicher Aspekt ist, dass das Thema Gesundheit in den Mittelpunkt gerückt ist. Es braucht auch weiterhin Hygienekonzepte und vermutlich wird Gesundheitsmanagement in Organisationen an Bedeutung gewinnen. Es wird Mitarbeiter*innen mit Covid, Long-Covid oder anderen Folgeerkrankungen wie Despressionen geben.

Es ergibt sich eine Unmenge an neuen, herausfordernden Fragen, die jede Organisation für sich selbst beantworten wird. Man kann es provokant oder kreativ angehen und zum Beispiel fragen: „Brauchen wir überhaupt noch ein Office?“. Oder eher gesellschaftlich, philosophisch: „Für wieviel Gesundheit der Mitarbeiter*innen sind wir als Organisation bereit Verantwortung zu übernehmen?“. Oder, oder…
Alles spannende, bedeutende Themen, die wir interessant finden mit unseren Kund*innen durchzudenken. Alle knifflig und richtungsweisend. Aber auch ein bisschen „eh klar“.

Und dann ist da noch das „Blah“.

Doch irgendwie bleibt ein diffuses, dezent unbefriedigendes Gefühl, dass es das noch nicht ganz gewesen sein wird, diese Fragen zu beantworten. Dass da noch etwas anderes ist, was Corona in unserem kollektiven Empfinden ausgelöst hat und das gilt es mitzudenken. Dieses „Irgendwas“ zeigt sich in Gesprächen mit Freund*innen und Kolleg*innen, die berichten sie wären schon irgendwie ungewöhnlich müde. Es vernebelt den Kopf, wenn man versucht sich zu konzentrieren, beäugt einen, wenn man schon wieder etwas sucht, das man verlegt hat. Es zieht an einem. So, dass man sich gelähmt fühlt als würde man einen schweren Sack mitschleppen. Wie ein unsichtbarer Nebel hat sich das „Irgendwas“ während Corona zwischen uns breit gemacht. Erleichternder Weise gibt es einen Begriff für dieses lästige Gefühl. Es nennt sich „Languishing“. Die Zeitung DerStandard übersetzt es mit „Dahinsumpern im Blues der Pandemie“. In der New York Times (NYT) wird Languishing erklärt als: „(…) a sense of stagnation and emptiness. It feels as if you’re muddling through your days, looking at your life through a foggy windshield.“ Es ist ein Zwischenzustand zwischen „es geht mir richtig gut“ und „es geht mir nicht gut“. Nicht Fisch und nicht Fleisch. Einfach so ein bisschen „blah“, wie die NYT zusammenfasst.

#tacklingBlah?

Das Gefühl von Languishing scheint jeder zu kennen. Aber ist es auch relevant für Organisationen? Wenn ja, wie gehen wir mit all den Mitarbeiter*innen und Kolleg*innen um, die sich so ein bisschen „blah“ fühlen? Blah ist ja keine Diagnose wie eine Grippe oder ein Beinbruch. Blah ist sehr persönlich, nicht diagnostizierbar und beeinträchtigt dennoch die Arbeitsfähigkeit.

Wir würden gerne wissen, ob wir mit Languishing etwas Bedeutendem auf der Spur sind oder das ominöse Irgendwas lieber wieder hinabgleiten lassen sollten in die Tiefen seiner nebulösen Existenz. Was meinen Sie? Helfen Sie uns mit ein paar Klicks und Ideen: Zur UMFRAGE hier klicken.
3 Fragen, maximal 3 Minuten (bzw. gerne solange Sie nachdenken möchten).

Danke im Vorhinein! Wir halten Sie auf dem Laufenden.


AUTORIN: Alexandra Hahn

Quellen:
- Deloitte (26.3.2021): Home-Office: Mehrheit der Angestellten will nach der Pandemie wieder zurück ins Büro – aber nicht mehr so oft wie vorher. Online, 10.6.2021. https://www2.deloitte.com/ch/de/pages/press-releases/articles/remote-working-most-employees-want-to-go-back-to-the-office-after-the-pandemic-but-not-as-often-as-before.html

- DerStandard (30.4.2021): "Languishing": Dahinsumpern im Blues der Pandemie. Online, 10.6.2021. https://www.derstandard.at/story/2000126264972/languishing-dahinsumpern-im-blues-der-pandemie

- New York Times (19.04.2021): here’s a Name for the Blah You’re Feeling: It’s Called Languishing. Online, 10.6.2021. https://www.nytimes.com/2021/04/19/well/mind/covid-mental-health-languishing.html

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